Bei der Provenienzforschung (Provenienz stammt vom lateinischen provenire, was so viel heißt wie „herkommen, entstehen“) wird nicht nur die Herkunft der Dinge erforscht, sondern ihre kompletten Biografien: Von der Herstellung bis zu Gegenwart. Provenienzforschung ist integraler Bestandteil der Arbeit an Museen, Bibliotheken, Archiven oder auch am Kunstmarkt. Neben der Identifizierung von sogenanntem Raubgut dient sie dem Erkenntnisgewinn zu Sammlungs- und Institutionengeschichte sowie zu den vielschichtigen Prozessen die Artefakte rund um die Neukontextualisierung durchlaufen.
Ein Aktionstag für mehr Sichtbarkeit
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Seit 2019 wird der internationale Tag der Provenienzforschung begangen, initiiert vom Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. und koordiniert von der Arbeitsgruppe Tag der Provenienzforschung. Ziel des Aktionstags ist es, der Öffentlichkeit die vielseitige Arbeit und Methodik dieses besonderen Forschungsfeldes näherzubringen und somit auf die gesellschaftliche Verantwortung und wissenschaftliche Relevanz von Provenienzforschung aufmerksam zu machen.
Zudem dient der Tag auch dem Austausch der interdisziplinären Forschungscommunity. Denn Provenienzforschung findet weltweit an verschiedensten Orten und Einrichtungen statt. In diesem Jahr beteiligen sich Institutionen aus neun Ländern mit aktuell 155 Veranstaltungen unterschiedlichster Formate.
Objektgeschichten bei KOLK 17
KOLK 17 erforscht seit einigen Jahren verstärkt die eigene Sammlungs- und Institutionsgeschichte und reflektiert dabei auch kritisch bisherige Wissensproduktionen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung von Objektbiografien einzelner Sammlungsobjekte. Hierbei werden die einzelnen Stationen dokumentiert, die das jeweilige Objekt seit der Herstellung durchlebt hat. Es wird beispielsweise recherchiert, wo, von wem und wann das Artefakt hergestellt wurde, zu welchem Anlass und unter welchen Umständen. Für welchem Zweck wurde es hergestellt, wie und mit welcher Bedeutung wurde es verwendet? Fragen, die bei älteren Sammlungsbeständen aufgrund einer fehlenden Dokumentation oftmals schwierig zu beantworten sind. Nicht selten bleiben sie unbeantwortet. Wir sprechen von der sekundären Nutzungsphase, wenn die Dinge eine neue Verwendung erhalten und dokumentieren die Informationen, die seit Zugang in die Sammlung KOLK 17 über die Dinge bekannt sind, was über sie geschrieben und wie sie ausgestellt wurden. Insbesondere bei Objekten außereuropäischer Provenienz dokumentieren wir bisherige Zuschreibungsprozesse genau und schaffen somit wichtige Grundlagen, um uns mit Figurenspielenden oder Wissenschaftler:innen aus den jeweiligen Herkunftsgemeinschaften austauschen zu können. Einen Teil des Sammlungsbestands aus Mali sowie ein Konvolut zu chinesischen Eisenstabfiguren konnten wir mit Hilfe von zwei Forschungsprojekten beginnen zu erschließen. Die Ergebnisse sind in der digitalen Ausstellung „WHO’S TALKING? Sechs künstlerische Blicke auf die Sammlung KOLK 17“ zu sehen und in die aktuelle Ausstellung „Figurentheater – Spiel des Lebens“ eingeflossen.
Start der neuen Themenführungen
Ab morgen startet KOLK 17 die Themenführungen zu Objektgeschichten. Anhand ausgewählter Objekte geben die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Einblicke in die Sammlungsgeschichte und die vielfältigen Herkunftsgeschichten der Objekte. Dabei wird sowohl ein Rückblick auf frühere Sammelpraxis gegeben als auch von aktuellen Forschungsmethoden und Vorgehensweisen berichtet.
Hier geht es zur Anmeldung, noch gibt es ein paar freie Plätze in unserem Onlineshop.