Drei Preise – ein Haus

Manchmal kommt alles auf einmal. Innerhalb kurzer Zeit hat KOLK 17 gleich drei Auszeichnungen erhalten.

Drei Auszeichnungen erhalten – für die Architektur, für die Ausstellung, für die Stadtentwicklung. Drei verschiedene Jurys, drei verschiedene Disziplinen, drei völlig unterschiedliche Blickwinkel auf dasselbe Haus. Und alle kommen zum gleichen Schluss: Hier ist etwas Besonderes entstanden.

Das ist mehr als eine schöne Zufallshäufung. Es zeigt, dass das, was im Kolk passiert ist, auf mehreren Ebenen gleichzeitig funktioniert – als Gebäude, als Erlebnisraum, als Beitrag zur Stadt. Drei Perspektiven, ein Ergebnis.

Bernhard Remmers Award – Bauen im Bestand

Den Anfang macht der Bernhard Remmers Award in der Kategorie „Bauen im Bestand". Entgegengenommen wurde der Preis bei der Verleihung in Löningen.

Diese Kategorie trifft den Kern dessen, was beim Umbau im Kolk die größte Herausforderung war. Wie geht man mit jahrhundertealter Substanz um, ohne sie zu musealisieren? Wie baut man neu, ohne das Alte zu verraten? Bauen im Bestand heißt: Man arbeitet nicht gegen die Geschichte eines Ortes, sondern mit ihr. Genau das ist im Kolk gelungen – ein Ensemble, das seine Vergangenheit nicht versteckt, sondern als Fundament nutzt.

ADC-Bronze für die Dauerausstellung

Dann die zweite Nachricht: Beim Wettbewerb des Art Directors Club Deutschland erhielt unsere Dauerausstellung „Figurentheater – Spiel des Lebens" einen Bronze-Nagel – eine der begehrtesten Auszeichnungen der deutschen Kreativbranche.

Die Zahlen dahinter zeigen, was das bedeutet: Aus rund 8.000 Einreichungen wurden in diesem Jahr lediglich 334 Arbeiten ausgezeichnet. Kultureinrichtungen sind unter den Preisträgern eher selten vertreten – die meisten Auszeichnungen gehen an Werbung, Kommunikation, Design im klassischen Sinn. Dass sich ein Museum aus Schleswig-Holstein dazwischen behauptet, ist bemerkenswert.

Was die Jury überzeugt hat, ist nicht nur die Optik, sondern das Prinzip dahinter: Statt klassischer Vitrinen erwartet die Besucher:innen eine begehbare Inszenierung. Szenografisch gestaltete Räume, multimediale Elemente, historische Figuren, die nicht hinter Glas verschwinden, sondern Teil eines Rundgangs werden, durch den man sich bewegt statt an ihm vorbeizulaufen.

Direktorin Dr. Antonia Napp bringt es auf den Punkt: Die Auszeichnung bestätige den Anspruch, Museum neu zu denken und kulturelles Erbe zeitgemäß zu vermitteln. Die Sammlung werde nicht nur präsentiert – sie erzählt ihre eigenen Geschichten, auf eine Weise, die das Publikum aktiv mit einbezieht.

Der ADC hat sogar unser Forum mit der immersiven Rauminstallation E.M.I.L. ausgezeichnet. Wer mehr erfahren möchte, kann hier weiterlesen.

Otto-Borst-Preis – Ensemble

Die dritte Auszeichnung kommt aus einer ganz anderen Richtung: der Stadtentwicklung. Der Otto-Borst-Preis 2026 würdigt das Gesamtensemble von KOLK 17 in der Kategorie „Ensemble".

Die Jury-Bewertung liest sich fast wie eine eigene kleine Erzählung über das Haus: Neun Gebäude im Lübecker Altstadtquartier Kolk wurden umgruppiert und erweitert. Angewendet wurden dabei alle denkbaren denkmalpflegerischen Konzepte – von der behutsamen Erhaltung bis zur vollständigen Entkernung und zum Neubau. Zwei nicht denkmalgeschützte Gebäude wurden abgerissen und neu errichtet, ein denkmalgeschütztes Theater wurde komplett entkernt, um Theater und Museum in einer Rochade tauschen zu können – beide Teilinstitutionen sind seitdem unabhängig voneinander nutzbar.

Besonders eindrücklich beschreibt die Jury das Museum als Haus-im-Haus: ein abstrakter Kubus aus feinem Sichtbeton, hineingestellt in die historische Hülle, erschlossen über eine Doppelhelix-Treppe in der Fuge zur Außenwand. Das neue Bühnenhaus auf der anderen Seite der Gasse greift die Backsteinarchitektur der Umgebung auf, bricht sie aber bewusst mit großen Stichbogenöffnungen – sogenannten Thermenfenstern – und einer Reihe hoher Fensterschlitze zur Gasse hin.

Die Jury zieht dabei sogar Verbindungen zur Architektur der Revolutionszeit und zum Theater von Schiller und Kleist – und findet am Ende einen Satz, der uns besonders gut gefällt: Das gesamte Ensemble spreche perfekt die Sprache des Theaters, dem es dient. Theatralische Häuser, ohne architektonische Komödie. Modernität mit Transzendenz. Architektur, die sich poetisch mitteilt. Die perfekte Balance zwischen Verstand und Gefühl – wie im guten Theater.

Drei Preise – eine Haltung

Was die drei Auszeichnungen verbindet, ist mehr als der gemeinsame Standort. Es ist die gleiche Überzeugung, die dem ganzen Haus zugrunde liegt: Man kann Altes ernst nehmen, ohne stehenzubleiben. Architektur, Ausstellungsgestaltung und Stadtentwicklung müssen keine getrennten Disziplinen sein – im Kolk greifen sie ineinander.

Drei Jurys, drei Kategorien, ein gemeinsamer Befund: Was hier entstanden ist, hält dem Vergleich stand. Nicht nur architektonisch. Nicht nur gestalterisch. Sondern als Ganzes.

Selbst hingehen lohnt sich

Drei Preise sind eine schöne Bestätigung. Aber das Beste daran lässt sich nicht in einer Jury-Bewertung lesen – es lässt sich nur erleben. Die Stichbogenfenster, der Raum, durch den man wirklich geht statt nur an Vitrinen vorbeizuschauen. Kommt vorbei und seht selbst, warum gleich drei Jurys überzeugt waren.