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Fundsache Kramer. Sonderausstellung über den Künstler Prof. Harry Kramer.

Vom 5. Februar bis zum 7. Juli 2012

Das TheaterFigurenMuseum und das Figurentheater Lübeck stellten im Rahmen eines Symposiums den documenta-Künstler Harry Kramer ins Rampenlicht. In einer Sonderausstellung im Museum wurden laut Werkverzeichnis verschollen geglaubte Skulpturen aus Harry Kramers „Mechanischem Theater“ ausgestellt. Mit Performances, Vorträgen und einer langen Filmnacht wurden Kramers Fragestellungen, seine Werke und ihre heutige Wirkung diskutiert.

Harry Kramer war Tänzer, Marionettist und documenta-Künstler. Im Jahr 1962 gewann der „Frisör aus Lingen“, wie Kramer sich selbst gerne nannte, für seinen Film „Die Schleuse“ den Grand Premio Leone di San Marco der Biennale von Venedig. Begleitend zur Sonderausstellung und der Tagung sind ein Tagungsband und eine reich bebilderte Broschüre entstanden, der in unserem Museumsshop erworben werden können.

Das Projekt konnte mit Unterstützung der Possehl-Stiftung und dem Fonds Darstellende Künste e.V. realisiert werden. „Fundsache Kramer“ wurde u.a. in Kooperation mit dem documenta-Archiv, der Kunsthochschule Kassel und dem Musik- und Theatermuseum Stockholm durchgeführt.

Prof. Harry Kramer „Ein Frisör aus Lingen“ (25. Januar 1925 in Lingen (Ems); † 20. Februar 1997 in Kassel) Teilnehmer der documenta, Künstler und Professor an der Kunsthochschule Kassel

Harry Kramer wird 1925 in Lingen an der Ems geboren und macht eine beispiellose Karriere. Nach einer Friseurlehre wird er Tänzer und versucht sich kurze Zeit später als Marionettist. 1952 entwickelt er skurrilabstrakte Skulpturen aus Draht, Papiermaché und Holz, die von zwei Spielern zu Jazz und Musique Concrète bewegt und später als „Mechanisches Theater“ bezeichnet werden.

Die Skulpturen von Harry Kramer sorgen nicht nur in der Kunstszene für Aufsehen. 1956 stellt er sein „Mechanisches Theater“ „13 Szenen“ im Rahmen des Pariser Festival „De l’Avantgarde“ aus. Zur selben Zeit arbeitet auch Günter Grass in Paris am Manuskript für seinen weltberühmten Roman „Die Blechtrommel“. Harry Kramers Skulpturen werden das „Anschauungsmaterial“ für ein Kapitel der „Blechtrommel“ und das Vogelscheuchen-Ballet aus „Hundejahre“, wie der Literaturnobelpreisträger in einem Interview bestätigt.

Kramer selbst dreht mit seinen Figuren mehrere Experimentalfilme zusammen mit Wolfgang Ramsbott, Professor für Experimentalfilm in Berlin, von denen „Die Schleuse“ 1962 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewinnt. 1964 nimmt Harry Kramer mit „automobilen Skulpturen“ an der documenta III in Kassel teil und feiert einen grandiosen Erfolg. Vier Jahre später, 1970, erhält er den Ruf auf eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie in Kassel, dem er 1971 folgt. Gemeinsam mit seinen Studenten gründet er das „Atelier Kramer“. Zusammen mit Jean Tinguely und Pol Bury zählt er zu den Protagonisten der Kinetischen Kunst.

Harry Kramer baute in den fünfziger Jahren seine Figuren; 1959 wandte er sich endgültig den automobilen Skulpturen und seinem späteren künstlerischen Weg zu. Marionetten baute er danach nicht mehr.

Das Skulpturen-Ensemble des „Zweiten Programms“, das zwischen 1952 und 1958 entsteht, befindet sich heute im Besitz des Münchner Stadtmuseums. Einige Figuren des „Ersten Programms“, „13 Szenen“, sind im Besitz des TheaterFigurenMuseums. Sie gelten nach dem Werkverzeichnis als verschollen. Der Sammler und Gründer dieses Museums Fritz Fey lernte Harry Kramer persönlich kennen. Er drehte einen in dieser Art einzigartigen Dokumentarfilm über den Künstler, der heute als Kleinod gehandelt wird. Durch seine Beziehung zu Harry Kramer konnte Fritz Fey die Figuren erwerben. Für die Sonderausstellung vom 5. Februar bis zum 7. Juli 2012 wurden weitere Skulpturen, die Harry Kramer zu Lebzeiten verschenkte, ausfindig gemacht und als Leihgabe angeworben.

„… darin liegt das Phänomen des Harry K.: Er, der als Frisör aus Lingen seinen Lebensweg begann, hat so viele Möglichkeiten des Künstlertums in sich entdeckt, daß er es sich leisten konnte, viele Leben zu leben und dabei der gleiche zu bleiben. Frisör war er und Schauspieler, Tänzer und Filmemacher, Objektbauer und Hochschullehrer, Aktions- und Überlebenskünstler. Dabei probierte er nie aus, bloß um präsent zu sein, sondern machte jede Sache ganz und perfekt.“ (D. Schwarze, 25. Januar 1995)

Kennen Sie schon „Regelnull“? Eine Homage an Harry Kramers „Die Schleuse“.

Lesen Sie außerdem auf unserem Blog: Harry Kramer und Günther Grass.

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