Das Glasmännchen aus Schichtls Märchen „Das kalte Herz“

von | Jan 2, 2022 | Blick ins Depot

Am 02. Januar ist in Deutschland „Waldmännchentag“. Seit dem 15. Jahrhundert festigte sich der Aberglaube, dass dieser Tag ein Unglückstag sei und alle Waldarbeiten ruhen sollen, um ja nicht die Winterruhe der Waldmännchen zu stören. Wer sich an diese Tradition nicht hält, läuft Gefahr, auf ein wütendes und gefährlich rachsüchtiges Waldmännchen zu stoßen!

Dass es diesen Aberglauben gibt, war mir bisher nicht bekannt! Aber ich wusste, dass es in unserem Depot ein Waldmännchen, genauer das Glasmännchen gibt! Ich machte mich auf die Suche nach der Figur.

Das Glasmännchen ist eine ziemliche coole Marionette von Xaver August Schichtl (1888 – 1965) und zu meinem Glück war es auch nicht sauer, dass ich seine Ruhe für ein paar Fotoaufnahmen störte!

Das Glasmännchen aus dem Märchen „Das kalte Herz“ von Xaver August Schichtl ©​​​​ KOLK 17

2018 war das Glasmännchen zuletzt auf Reisen. Es wurde als Leihgabe bei der Sonderausstellung „HEREINSPAZIERT! Sensationelle historische Marionetten des Magdeburger Theaterimpresarios und Puppenspielers Xaver Schichtl“ in der Villa p. des Puppentheaters Magdeburg gezeigt.

Etwa 60 Marionetten, zahlreiche Puppenköpfe und Requisiten aus unserem Fundus reisten für diese Sonderausstellung von Lübeck nach Magdeburg. Je nach Inszenierung wurden die Figuren in Magdeburg gezeigt.
Auf dem Foto ist das Glasmännchen mit seiner „Kollegin“und seinen „Kollegen“aus der Märcheninszenierung „Das kalte Herz“ zu sehen.

Das Glasmännchen, der Holländer Michel, Peter und Lisbeth in Magdeburg, ©​​​​ KOLK 17

„Das kalte Herz“ wurde im Jahr 1827 von Willhelm Hauff geschrieben und ist mit seiner Kritik an der Kaltherzigkeit mancher Menschen und ihrem Streben nach Reichtum zu Lasten anderer heute noch aktuell!

Erzählt wird die Geschichte des armen Köhlers Peter Munk aus dem Schwarzwald, der sich wünscht, reich und angesehen zu sein.
Peter sucht im dunklen Wald das Glasmännchen auf, das ihm hilft, obgleich es seine Wünsche für unklug hält.
Die Geschichte des Peter Munk nimmt einen sehr unglücklichen Verlauf.
Peter gerät selbstverschuldet in Finanznot. Beim gefürchteten Waldgeist, dem Holländer Michel, tauscht er sein schlagendes Herz gegen Geld und ein Herz aus Stein. Dieses lässt ihn hartherzig, geizig und brutal werden. Im Zorn erschlägt Peter seine Frau Lisbeth. Er begreift, was für eine furchtbare Tat er begangen hat und sucht Hilfe beim Glasmännchen!

Das gute Glasmännchen hilft Peter, sein Herz mittels einer List vom Holländer Michel zurückzubekommen.
Auch Lisbeth erweckt das Glasmännchen wieder zum Leben.
Peter bereut seine Taten zutiefst und lebt fortan bescheiden, aber zufrieden das Leben eines Köhlers.

Wer also am 02. Januar doch lieber auf die Arbeit im Wald verzichten möchte, ist herzlich eingeladen, stattdessen auf unserem Blog zu stöbern. Vielleicht hat dieser Beitrag Lust geweckt, sich eine der vielen Verfilmungen des Märchens anzusehen.

Viel Spaß und alle guten Wünsche für das neue Jahr 2022!

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1 Kommentar

  1. Michael Brandt

    Dieser „Unglückstag“ war auch mir unbekannt. Und wieder was auf dieser Seite gelernt.
    Solche Informationen finde ich immer gut. Weiter so!!!

    Antworten

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