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von | 27 Jul 2021 | Prozess, Who's Talking?

Yacouba Magassouba berichtet aus Mali von den Vorbereitungen für „La Fête au Village“

Die Idee für das Theaterstück „La Fête au Village“ bekam Yacouba Magassouba bereits, als er im Februar die Objektfotos der Figuren aus Mali aus der Sammlung KOLK 17 zum ersten Mal auf seinem Computerbildschirm sah. Das Projektteam von „Who’s Talking?“ schlug ihm einen künstlerischen Austausch mit den Figuren vor.  

Was siehst du, wenn du diese Fotos betrachtest? Was waren deine ersten Impulse? Welche künstlerischen Wege würdest du wählen, um mehr über diese Figuren auf den Bildern herauszufinden? Diese und weitere Fragen stellten wir Yacouba Magassouba. Einige Wochen später erhielten wir die Projektskizze zu seinem Theaterstück „La Fête au Village“.  

Ende Mai erreichten uns die ersten Fotos von den Vorbereitungen aus dem Atelier der Compagnie NAMA in Bamako. Vor ein paar Wochen erkundigten Mandy Okereke und ich uns per Zoom-Meeting bei Yacouba Magassouba zu einzelnen Bildern. Seine Antworten können Sie im Original (in Französisch) als Audiospur anhören. Hier eine kurze Zusammenfassung.  

Yacouba Magassouba betont, dass es als Figurenspieler wichtig sei, im Team zu arbeiten. Für ihn ist Figurenbau eine gemeinschaftliche Arbeit. Bei der Produktion von „La Fête au Village“ war die gesamte Compagnie NAMA beteiligt. Auf dem Foto sind Bourama Doumbia, Assitan Diallo und Boucary Ombotimbé im Atelier der Compagnie bei der Herstellung eines Castelets für eine Antilopenfigur zu sehen. 

Die Figuren, die im Hintergrund zu sehen sind, gehören der Compagnie NAMA. Sie wurden alle von ihnen gebaut. In den Städten Malis ist es üblich, dass die Figuren den Figurenspielern gehören. Anders ist dies auf den Dörfern. Dort sind die Figuren stets Eigentum der gesamten Dorfgemeinschaft. Auch hier werden sie gemeinschaftlich gebaut.  

Doch geschnitzt werden sie stets von den Schmieden, nicht von den Figurenspieler:innen. Auf diesem Foto ist Dramane Konaté beim Schnitzen eines Paddels zu sehen. Yacouba Magassouba berichtet uns, dass er schon seit über 20 Jahren, von klein auf, mit Dramane Konaté zusammenarbeitet.  

Nachdem die Figuren fertig geschnitzt sind, werden sie bemalt. Hier auf dem Bild trägt Yacouba Magassouba gerade schwarze Farbe auf den Kopf einer Antilopenfigur auf. Er berichtet, dass die Antilope eine sehr große Bedeutung für die Bambara in Mali haben. Sie dürfen in seinem Theaterstück, in dem er von eben diesen Bedeutungen und den Symbolen der Figuren berichten möchte, selbstverständlich nicht fehlen.  

Eine weitere Figur, die bei „La Fête au Village“ eine Rolle spielen wird, ist das Pferd. Auf diesem Bild ist die Compagnie NAMA bei der Herstellung eines Castelets für eine Pferdefigur zu sehen.  

Mandy Okereke und ich staunten nicht schlecht, als uns Yacouba Magassouba berichtete, dass es nur 10 bis 20 Minuten dauere ein solches Castelet zu bauen. Schließlich würde im Team gearbeitet, das ginge dann schnell. Aber natürlich auch nur, wenn alle Materialien schon parat stünden.  

Wir hakten noch einmal nach und erfuhren dann, dass Yacouba Magassouba in den 20 Minuten das Schnitzen des Kopfteils nicht mitgerechnet hatte. Das erfolgt separat durch den Schmied [und braucht sicherlich viel Zeit und Ruhe].  

Diese weibliche Ganzkörperfigur, auf Bambara Meren genannt, trägt ein Kostüm, das aus Textilien hergestellt wurde, die derzeit auch von Frauen in Bamako getragen werden. Die Compagnie NAMA kombiniert bewusst Traditionelles mit Modernem. Deswegen sei es ihnen wichtig, so Yacouba Magassouba, dass die Figuren Stoffe tragen, die gerade in Mode und auch auf Bamakos Straßen zu sehen seien.

Traditionellerweise wurden die Stoffe für die Kostüme aus Bogolan hergestellt. Das sind grob strukturierte und handgewebte Baumwollstreifen, die durch eine besondere Web- und Färbetechnik (mit Schlamm) hergestellt werden und ursprünglich in Mali beheimatet sind, klärt mich Mandy Okereke auf. Doch heutzutage ist Bogolan für Figurenspieler wie ihn zu teuer geworden, sagt Yacouba Magassouba und erklärt, dass sie auch deswegen zu anderen Materialien greifen müssen.  

Früher wurden weibliche Figuren gleich als Frauendarstellungen erkannt, da die Brustpartien der Kostüme stets ausgeschnitten und die Brüste zu sehen waren. Heutzutage wird das nicht mehr gemacht, informiert uns Yacouba Magassouba.

Alle Figuren der Compagnie NAMA werden aus einem bestimmten Holz hergestellt: Melina. Ein Holz, das gegenüber Termiten sehr resistent ist, wie Yacouba Magassouba uns erklärt. Wenn das Holz nicht an Wasser gerät, hält es bis zu 200 Jahre lang. 

Besonders gerne und häufig wird die Farbe Gelb für die Figuren verwendet. Sie wird mit Freude und guter Laune verbunden. Die Farbe ist zudem ein Symbol für Freundschaft und Brüderlichkeit – für Gemeinschaft.  

Wenn Sie noch mehr über die Bedeutung einzelner Figuren in Mali und die Compagnie NAMA und das Theaterstück „La Fête au Village“ erfahren möchten, seien Sie bei dem Beitrag“La Fête au Village“ – An Encounter between Malian Puppets in Lübeck and the Compagnie NAMA in Bamako im Rahmen des internationalen Symposiums Who’s Talking? On Performing Objects and Their Voices am Samstag, den 31.7. dabei. Der Beitrag beginnt um 13:30 Uhr.  

Bei der digitalen Ausstellungseröffnung von „Who’s Talking? Sechs künstlerische Blicke auf die Sammlung KOLK 17“ am Freitag, den 30.7. können Sie erste Ausschnitte von „La Fête au Village“ sehen und mit Yacouba Magassouba ins Gespräch kommen.

Mehr aus dem Prozess von „Who’s Talking?“

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